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Mutterschaft ab 35 Jahren: Das Altersrisiko in der Wahrnehmung von Frauen – eine Literaturstudie

  • Hintergrund Die Anzahl derjenigen Frauen, die im Alter von 35 Jahren oder später Mutter werden, steigt in den Industrienationen weltweit. Mit dem höheren Alter ist eine Zunahme von Risiken für die Fertilität, für die Schwangerschaft, für die Geburt und für die Neugeborenen verbunden. Risikozuschreibungen in der Schwangerschaft beeinflussen die psychosoziale Situation von Frauen negativ. Daher stellt sich die Frage, wie Frauen das Altersrisiko erleben. Methodik Die internationale systematische Literaturrecherche wurde zwischen Dezember 2015 und März 2016 in den elektronischen Datenbanken PubMed, CINAHL, PsycINFO und Sowiport durchgeführt. Eingeschlossen wurden Studien, welche die Wahrnehmung der reproduktiven Altersrisiken der Mutterschaft in fortgeschrittenem Alter, definiert als ≥ 35 Jahre, fokussieren. Ergebnisse Es wurden elf Studien unterschiedlichen Designs ausgewertet. Mit Ausnahme von Kenntnissen über die durch das Alter abnehmende Fertilität und die Zunahme bei Trisomie 21 zeigen sich insgesamt geringe Kenntnisse der Teilnehmenden über altersassoziierte Risiken. In der Konfrontation mit den Risiken werden diese als bedrohlich erlebt. Strategien im Umgang mit der Besorgnis sind vielfältig: Informationsmanagement mit Problemen von Über- und Fehlinformation und Informationsvermeidung, Ablenkung von Gedanken an Risiken, Bedürfnis nach Kontrolle und guter Vorbereitung oder eine emotionale Distanz zur Schwangerschaft. Die persönliche Risikobewertung durch die Frauen ist komplex und bezieht ihre sozialen Lebensumstände und ihren Lebensstil mit ein. Dabei werden die medizinischen Zuschreibungen relativiert. Durch die Fokussierung ein gesundes Kind zu gebären unterbleibt häufig die Vorbereitung auf das Leben mit dem Neugeborenen. Auswirkungen auf das Erleben von Mutterschaft zeigen sich insbesondere in einer postpartalen Überforderung in der Versorgung des Neugeborenen. Diskussion Das Altersrisiko kann von den Betroffenen nur unzureichend eingeschätzt werden. Es zeigen sich verschiedene aus der Risikoforschung bekannte Phänomene. Die medizinische Risikoeinschätzung unterscheidet sich von der Risikowahrnehmung der Frauen. Die Folgen für das Erleben der Mutterschaft machen das Konzept des Altersrisikos diskussionswürdig. Diese Ergebnisse legen für die Gesundheitsberufe nahe, die Versorgung von Schwangeren in fortgeschrittenem Alter stärker auf gesundheitsfördernde Aspekte, Partnerschaft und das Neugeborene auszurichten.
  • Background Delaying motherhood is an ongoing trend in industrialized countries worldwide. The higher the mother´s age, the greater the risks for fertility, pregnancy, childbearing, and for the newborn. The psychosocial situation of women who are conscious of pregnancy risks is thus negatively affected. This paper aims to answer the question as to how women experience the risks of age. Methodology An systematic search of the international literature was carried out between December 2015 and March 2016, using the electronic databases PubMed, CINAHL, PsycINFO, Sowiport, as well as a manual search. The inclusion criterion was the perception of reproductive age risks of motherhood at an advanced age, defined as ≥ 35 years. Results Eleven studies with different designs were evaluated. The participants were sufficiently informed about decreasing fertility rates and the increasing risk of trisomy 21, but less knowledge was shown about the remaining age-associated risks. The awareness of these risks made women feel anxious and scared. They showed various strategies for dealing with their concern: information management, associated with problems of overand misinformation and, in contrast, information avoidance. Other strategies were distraction from thinking about the risks, the need for control and good preparation, or emotional distancing from the pregnancy. The women´s personal risk assessment was complex. They related their social circumstances and their lifestyle and thought about the medical attributions in relative terms. By focusing on giving birth to a healthy child, the mothers often neglected to prepare themselves for living with the newborn. Postpartum they were overwhelmed by the care needed by the newborn child. Discussion The age risk cannot be assessed adequately by those affected. Various phenomena determined through risk research may also appear. There was a meaningful difference between the medically assessed risk and the women's perceived risk. Taking the women´s experience with ageassociated risks and the consequences of motherhood into consideration, it seems necessary to discuss the concept of age risk. Healthcare professionals should focus on health support and encourage older pregnant women to familiarize themselves with family-orientated care of a newborn family member.

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Metadaten
Author:Friederike zu Sayn-Wittgenstein, Karin Niessen, Therese Werner-Bierwisch, Sabine Metzing
Title (German):Mutterschaft ab 35 Jahren: Das Altersrisiko in der Wahrnehmung von Frauen – eine Literaturstudie
DOI:https://doi.org/10.1055/s-0043-104864
Parent Title (German):Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie
Document Type:Article
Language:German
Year of Completion:2017
Release Date:2019/08/06
Tag:Risikowahrnehmung; anamnestische Schwangerschaftsrisiken; mutterliches Alter; späte Mutterschaft
advanced maternal age; anamnestic risk factors; maternal age; risk knowledge; risk perception
Volume:221
Issue:03
First Page:111
Last Page:121
Note:
Zugriff im Hochschulnetz
Faculties:Fakultät WiSo
DDC classes:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 610 Medizin, Gesundheit
Review Status:Veröffentlichte Fassung/Verlagsversion